Fleisch vs. Avocado – Wasserverbrauch von Lebensmitteln

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Das Wichtigste in Kürze

  • Avocados haben einen Wasserverbrauch von 1.981 Litern und Rindfleisch von 15.415 Litern.
  • Beim Wasserverbrauch muss man zwischen grünem (Regen-), blauem (Leitungs-) und grauem (verschmutzten Wasser) unterscheiden.
  • Bei Avocados teilt sich der Verbrauch in 849 l grünem, 283 l blauem und 849 l grauem Wasser auf. Der Wasserverbrauch von Rindfleisch ist zu 94 % grünes Wasser.
  • Auch wenn tierische Lebensmittel im Schnitt mehr Wasser verbrauchen, gibt es pflanzliche Wassersünder (Schokolade, Kaffee). Man sollte Wasserverbrauch nicht allgemein, sondern immer kontextbezogen betrachten.

Die Landwirtschaft macht 70 % des globalen Wasserverbrauchs aus. Doch welche Lebensmittel am meisten Wasser verbrauchen, wird kontrovers diskutiert. 

Besonders die Avocado und Rindfleisch werden immer wieder als Negativbeispiele genannt. Man liest in klassischen Medien, dass Avocados Umweltzerstörer sind und Unmengen an Wasser verbrauchen.

Auf der anderen Seite sprechen Veganer von ganzen 15.000 Litern Wasser, die für Rindfleisch verbraucht werden.

Bei einem meiner Vorträge an der Uni Zittau habe ich auch die Frage gestellt bekommen:  „Warum redest du nicht vom Wasserverbrauch von Fleisch? Der ist doch RIESIG!“ 

Na ja, die Wissenschaft vom Wasserverbrauch ist nicht ganz so einfach. Die Zahlen sind oft irreführend. Ein Großteil des Wassers ist einfach Regenwasser

Um die Wahrheit über den Wasserverbrauch von Avocados und Fleisch zu erfahren, müssen wir erst den Wasserfußabdruck verstehen.

Was ist virtuelles Wasser? 

Virtuelles Wasser bezeichnet die gesamte benötigte Wassermenge für die Erzeugung eines Produktes. Im Endprodukt ist meistens nur geringe Mengen des Wassers enthalten.

Beispiele für virtuelles Wasser in Produkten

  • Auto 50.000 – 100.000 Liter
  • Röstkaffee 19.000 Liter
  • Schokolade 17.000 Liter
  • Rindfleisch 15.500 Liter
  • Smartphone 12.000 Liter
  • Jeans 8.000 Liter
  • Schweinefleisch 6.000 Liter
  • T-Shirt 2.500 Liter

Lebensmittel in kg; Quellen: waterfootprint.org, watercalculator.org

Das sind auf den ersten Blick wirklich erschreckende Zahlen. Sie sagen allein aber wenig aus. Es fehlen Informationen. 

Woher kommt das Wasser genau? 

Welche Art von Wasser wurde genutzt (Regenwasser/Leitungswasser)? 

Man teilt daher virtuelles Wasser in 3 Typen auf:

  • Grünes virtuelles Wasser: Beschreibt die Menge an Regenwasser, die genutzt wird.
  • Blaues virtuelles Wasser: Beschreibt die Menge des Grund- und Oberflächenwassers (z. B. Leitungswasser), welches genutzt wird.
  • Graues virtuelles Wasser: Beschreibt die Wassermenge, die durch die Produktion verunreinigt wird.

Warum unterscheiden wir grünes, blaues und graues Wasser? 

Die Nutzung von blauem und grauem Wasser ist problematischer als die von grünem Wasser.

Grünes Wasser haben wir oft im Überfluss. Besonders in Deutschland haben wir im weltweiten Vergleich viel Regenwasser.

Graues Wasser bzw. Wasserverschmutzung wollen wir natürlich so wenig wie möglich.

Blaues Wasser kann anstatt für die Herstellung eines Produktes auch als Trinkwasser genutzt werden. 

Besonders problematisch ist die Nutzung von viel blauem Wasser in Regionen mit Trinkwassermangel.

In Indien verdursten jedes Jahr 200.000 Menschen. Die Landwirtschaft nutzt dort 90 % des Wassers

Durch den Klimawandel wird die Wasserknappheit weltweit immer schlimmer.

Um Schreckensszenarien zu verhindern, müssen wir Wasser effizienter nutzen. Also auch Lebensmittel essen, die weniger Wasser pro Kalorien benötigen.

Genau deswegen vergleiche ich für euch Lebensmittel, wie Avocados und Rindfleisch. 

Avocado Wasserverbrauch

Der Wasserverbrauch von Avocados beträgt im globalen Durchschnitt circa 1981 Liter pro kg. Dieser Verbrauch teilt sich in 849 l Regenwasser, 283 l Grund-/Leitungswasser und 849 l verschmutztes Wasser auf. Der Anbau von Avocados ist je nach Region sehr unterschiedlich. In Grenada wird nur Regenwasser genutzt. In Chile wird bis zu 2200 l Leitungswasser verbraucht.

Andere Früchte (ja, Avocados sind Früchte, kein Gemüse) haben im Durchschnitt einen kleineren Wasserfußabdruck. 

Er liegt bei 727 l grünem, 147 l blauem und 93 l grauem Wasser. 

Je nach Frucht unterscheidet sich dieser enorm, von Wassermelonen mit gesamt 235 l bis zu Feigen mit ganzen 3350 l.

Die Avocado liegt deutlich über dem Durchschnitt der Früchte. Sie verursacht besonders viel graues/verschmutztes Wasser

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Avocado Produktion in Ländern mit Wassermangel stattfindet. 

Die Avocados werden hauptsächlich in Ländern mit Wasserüberschuss exportiert. 

Das führt zu einem Wasserverlust in den Anbauregionen.

In Regionen von Chile hat die Wasserknappheit schlimme Folgen.

Wasser ist dort kein öffentliches Gut, wie in Deutschland.

Teile der Bevölkerung können nur noch mit teurem Trinkwasser von privatisierten Tankwagen versorgt werden.

Abweichende Angaben zum Avocado Wasserverbrauch

Die World Avocado Organization geht von einem deutlich geringeren Wasserfußabdruck von 600–700 Litern aus. 

Sie behauptet, dass durch technische Verbesserungen der Wasserverbrauch auf 300–400 Litern reduziert werden kann.

Woher diese Zahlen kommen und wo die technischen Verbesserungen angewendet werden habe ich nachgefragt. 

Die WAO wollte mir auch nach mehrfacher schriftlicher Nachfrage nicht antworten.

Solche niedrigen Zahlen können in manchen Regionen zutreffend sein. 

Die wissenschaftliche Literatur geht im globalen Durchschnitt von einem höheren Wasserverbrauch aus

Fleisch Wasserverbrauch

Wasserverbrauch in Litern von 1 kg Rindfleisch, Schweinefleisch, Hühnerfleisch und Schafsfleisch im globalen Durchschnitt:

FleischGrünes WasserBlaues WasserGraues WasserGesamt 
Rind14.41455045115.415
Schaf8.253457538.763
Schwein4.9074596225.988
Huhn3.5453134674.325
Die Tabelle zeigt den virtuellen Wasserverbrauch von Fleischsorten nach Tierart aufgeteilt in Grünes, Blaues, graues Wasser und den gesamten Wasserverbrauch.

Der Wasserfußabdruck von Fleisch beinhaltet zum Großteil Regenwasser.

Die oft genannte Zahl von 15.000 Litern pro kg Rindfleisch ist sehr irreführend. Nur 1000 Liter sind am Ende Trinkwasser und verschmutztes Wasser.

Tierische Produkte verbrauchen circa ein Drittel des gesamten Trinkwassers der Landwirtschaft. 

Sie liefern uns aber nur circa ein Fünftel unserer Kalorien.

Wasserverbrauch von Lebensmitteln im Vergleich

desktop:/avocado wasserverbrauch vs. wasserverbrauch fleisch - virtuelles wasser beispiele in lebensmitteln

Die Grafik zeigt keinen klaren Sieger zwischen pflanzlich und tierischen Produkten. 

Auch bei Fleisch vs. Avocado gibt es noch keinen klaren Gewinner.

Fleisch benötigt zwar mehr grünes und blaues Wasser, die Avocado verschmutzt aber deutlich mehr Wasser.

Anders sieht es aus, wenn man statt Kilogramm die Nährwerte der Lebensmittel. Also Liter pro Kalorien oder Protein anguckt. 

In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung wurde genau das gemacht.

LebensmittelWasserverbrauch pro Kalorien (Liter/kcal)Wasserverbrauch pro Protein (Liter/g Protein)
Stärkehaltige Knollen (z. B. Kartoffeln)0,4731
Getreide0,5121
Zuckerrohr0,690 (wenig Protein)
Butter0,720 (wenig Protein)
Ölsaaten (z. B. Soja)0,8116
Hülsenfrüchte (z. B. Erbsen)1,1919
Gemüse1,3426
Kuhmilch1,8231
Früchte2,09180
Schweinefleisch2,1557
Eier2,2929
Hühnerfleisch3,0034
Nüsse3,63139
Schafsfleisch4,2563
Rindfleisch10,19112
Die Tabelle zeigt den Wasserverbrauch von verschiedenen Lebensmitteln pro Kalorien und pro Gramm Protein.

Die Wissenschaftler fassen zusammen:

  • Der Wasserfußabdruck von Tierprodukten ist größer als der von pflanzlichen Produkten bei gleichem Nährwert.
  • Der durchschnittliche Wasserfußabdruck pro Kalorien ist für Rindfleisch 20x so groß wie für Getreide oder stärkehaltigen Knollen.
  • Der Wasserfußabdruck pro Gramm Protein von Milch, Eiern und Hühnerfleisch ist 1,5x so groß wie der von Hülsenfrüchten

Die Wissenschaftler nennen einen Grund für das schlechtere Abschneiden der Tierprodukte.

Tiere nutzen Kalorien und Wasser aus pflanzlichem Futter ineffizient. 

1 kg Rindfleisch benötigt ganze 25 kg Getreide!

Was lernen wir daraus?

Nochmal, die Landwirtschaft macht 70 % von dem globalen Wasserfußabdruck aus.

Und generell verbraucht Fleisch pro kg und Nährwert mehr Wasser als pflanzliche Lebensmittel.

ABER, man muss zwischen Regenwasser, Leitungswasser und verschmutztem Wasser unterscheiden.

Und manche pflanzlichen Lebensmittel haben einen sehr großen Wasserfußabdruck.

Besonders Avocados und Nüsse verursachen viel Wasserverschmutzung.

Es gibt sehr viele gute Argumente für eine vegane Ernährung und gegen Fleisch. Vor allem aus der Umweltperspektive.

Doch wir Veganer sollten nicht irreführende Zahlen wie die 15.000 Liter Wasser pro kg Rindfleisch nutzen. Das untergräbt nur unsere Glaubwürdigkeit.

Wir sollten lieber mit Treibhausgas-Emissionen oder Landnutzung für eine pflanzliche Ernährung argumentieren.

Schauen wir uns doch die gesamte Ökobilanz von Tierprodukten an.

Selbst das nachhaltigste lokale Bio Fleisch schneidet schlechter ab, als die weit exportierte Avocado.

Weitere anschauliche Statistiken findest du hier.

Unser Artikel über die CO2-Bilanz von Fleisch beleuchtet die Umweltprobleme durch Tierprodukte noch einmal im Detail.

FAQ

Wie ist die Ökobilanz der Avocado insgesamt?

Die Ökobilanz von Avocados ist besser, als die meisten Menschen vermuten. 1 kg Avocado erzeugen 0,6 kg CO2 Emissionen. Im Vergleich stößt die Produktion von 1 kg Tomaten 2 kg CO2 aus. Käse liegt bei 24 kg CO2 und Rindfleisch bei 100 kg CO2 pro kg. Der lange Transportweg von Lebensmitteln, wie Avocados, macht nur wenige Prozent der Emissionen aus. Das eigentliche Problem von Avocados sind soziale Probleme, die in den Anbauregionen in Südamerika entstehen.

Die sozioökonomischen Probleme der Avocado:

  • Illegale Waldrodung für Anbauflächen.
  • Das organisierte Verbrechen (Mafia) steigt in Mexiko in den Avocado-Anbau ein und erpresst Landwirte.
  • Kleine Bauern werden von großen Konzernen verdrängt.
  • Wasserknappheit durch Anbau in wasserarmen Regionen.
  • Durch hohe Exportraten gibt es immer weniger Avocados für die lokale Bevölkerung. Die Avocado hat dort einen hohen kulturellen Wert.

Kann ich Avocados aus Deutschland kaufen? 

Avocados sind in Deutschland nicht heimisch und kommen meist aus Spanien, Chile oder Mexiko. Wenn man eine Avocado mit kurzem Transportweg möchte, sollte man zu Bio greifen. Bio Avocados kommen fast immer aus Spanien. Zusätzlich kann man noch zu fair trade Avocados greifen, um eine nachhaltige Produktion zu unterstützen.

Wie viel virtuelles Wasser enthält eine Banane?

Der Anbau von Bananen nutzt im globalen Durchschnitt, 790 Liter virtuelles Wasser pro kg. Das Wasser teilt sich in 664 Liter grünes virtuelles Wasser, also Regenwasser und 94 Liter blaues virtuelles Wasser, also Leitungswasser auf. Es entstehen dazu 32 Liter graues virtuelles Wasser, also verunreinigtes Wasser. Beim größten Bananenproduzenten Indien liegt der Wasserfußabdruck nur bei 500 Litern/kg.

Ist grünes Wasser unwichtig?

Der Großteil der wissenschaftlichen Literatur fokussiert sich auf blaues und graues Wasser.

Diese Ressourcen gefährden nämlich direkt die Trinkwasserverfügbarkeit von Menschen.

Doch auch Regenwasser gelangt früher oder später ins Grundwasser und in Flüsse.

Und besonders für Veganer sollte grünes Wasser nicht egal sein.

Menschen entnehmen für die Produktion von Gütern grünes Wasser aus natürlichen Kreisläufen. 

Dadurch sind Ökosysteme und Tiere gefährdet

Wie kann ich den Wasserverbrauch von Lebensmitteln berechnen?

  1. Gehe auf Waterfootprint.org in die Galerie: https://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/product-gallery/
  2. Wenn das Lebensmittel nicht gelistet ist, kannst du es auch in den Studien suchen (strg + f): https://waterfootprint.org/en/resources/waterstat/product-water-footprint-statistics/
  3. Achte auf die angegebene Einheit. Der Wasserfußabdruck von Schokolade ist z. B. in kg angegeben, eine Tafel wiegt aber nur 100g. 
  4. Manchmal gibt es starke regionale Unterschiede beim Wasserfußabdruck (z. B. Avocado). Such am besten auf Google Scholar nach dem Lebensmittel deiner Wahl + das Wort Wasserfußabdruck dahinter. Am besten auf Englisch: „Banana water footprint“.

Hier gibt es noch mehr Tipps für dich, was du gegen den Klimawandel tun kannst

Natürlich gibts bei uns nur die wissenschaftlich geprüften, besten Maßnahmen.

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Markus Maibaum
5+ Jahre Vegan, Tierrechts-Aktivist, Umwelt-Wissenschaftler, Powerlifter, Hobby-Koch

Markus hat Veganivore gegründet, um die vegane Lebensweise zu verbreiten und unsere Erde ein kleines bisschen nachhaltiger & gerechter zu machen.

In seiner Freizeit setzt er sich leidenschaftlich gerne für Tierrechte ein, hält Vorträge für Umweltvereine, hebt Gewichte und probiert neue vegane Rezepte aus.

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