Fleisch aus dem 3D Drucker: Was ist das?

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Fleisch aus dem 3D Drucker könnte in den nächsten Jahren die Schlüsseltechnologie bei der Herstellung von tierfreundlichem und nachhaltigem Fleisch sein. 

Das Wichtigste in Kürze

  • 3D gedrucktes Fleisch besteht entweder aus pflanzlichen Protein oder aus tierischen Zellkulturen (Laborfleisch).
  • Durch den 3D-Druck Prozess kann man die Struktur von Fleisch besser nachahmen und so kann auch Premium-Fleisch, wie Steaks produziert werden.
  • Fleisch aus dem 3D Drucker gibt es schon heute in mehreren deutschen Restaurants.

3D gedrucktes Fleisch ist von regulärem Fleisch kaum zu unterscheiden. Das Verfahren ermöglicht den Geschmack und die Konsistenz wie Fleisch, nur ohne Tier.

Ich habe in einer Forschungsabteilung gearbeitet, die einen der weltweit schnellsten 3D-Drucker entwickelt hat. Und ich bin zwar Veganer, aber liebe den Geschmack von Fleisch (ich esse es aus ethischer Überzeugung nicht). 

In diesem Artikel fasse ich mit meinem technischen Know-how alle wichtigen Punkte zu Fleisch aus dem 3D-Drucker zusammen.

Warum gibt es Fleisch aus dem 3D Drucker?

Der Markt für Fleischalternativen wächst jedes Jahr.

Deutschland ist weltweit die Nummer 1 in der Neueinführung von veganen Produkten.

Der Trend wird nicht nur von Vegetariern oder Veganern angetrieben. „Flexitarier“ sind die Zielgruppe der neuen Fleischalternativen. Viele Menschen wollen weniger Fleisch konsumieren.

Die Hauptgründe für Fleischverzicht sind ethisch oder umweltbedingt. Für Fleischalternativen wird kein Tier getötet. Sie sind klimafreundlich und wurden ohne Massentierhaltung hergestellt. 

Fleischalternativen sind schon lange nicht mehr geschmackslos. 

2016 haben Firmen wie Beyond Meat (Deutscher Botschafter ist Fußballer Serge Gnabry) oder Impossible Foods Fleischalternativen revolutioniert. 

Sie haben Produkte entwickelt, die genau Geschmack, Konsistenz und Geruch von Fleisch nachahmen. 

Heutzutage sind viele Fleischalternativen in deutschen Supermärkten nahezu identisch zu Fleisch. Neben Firmen, wie Rügenwalder Mühle und Nestlé, haben viele Supermärkte Eigenmarken entwickelt.

Bisher beschränken sich die Fleischalternativen hauptsächlich auf Hackfleischprodukte. Diesen Produkten fehlt die faserige Textur von Tierfleisch.

Der 3D-Druck von Fleisch soll es ermöglichen auch „faserige“ Premium Produkte, wie Steak, Lamm oder Lachs herzustellen. 

Was ist Fleisch aus dem 3D Drucker?

Fleisch aus dem 3D-Drucker ist aus pflanzlichen Proteinen oder aus Laborfleisch. Davon werden mehrere Schichten mit dem 3D-Drucker übereinander gedruckt. Dadurch entsteht eine ähnliche Konsistenz wie bei regulärem Fleisch. Es können auch Premium Fleisch-Produkte wie Steak oder Lamm 3D gedruckt werden.

NASA hat 2013 angefangen, an 3D gedruckten Lebensmitteln für Astronauten zu forschen. Heutzutage gibt es viele 3D gedruckte Lebensmittel. Z. B. eine 3D gedruckte Pizza oder 3D gedruckte Schokolade aus Deutschland. 

Der 3D-Druck von Fleisch ist sehr komplex. Es gibt viele technische Herausforderungen beim Druck und bei den verwendeten Materialien.

Wie wird Fleisch aus dem 3D Drucker hergestellt?

3D-Drucker werden hauptsächlich zur Fertigung von Plastikteilen verwendet.

Das einfachste 3D-Druck Verfahren ist das FDM (Fused Deposit Modeling). Dieses wird bei 3D gedrucktem Fleisch angewendet.

Der Ausgangsstoff wird in „Druckerpatronen“ gefüllt und durch eine Düse gedrückt. Es entsteht ein Faden (wie z. B. bei Sprühsahne). Der Faden wird in mehreren Bahnen zu einer Ebene abgelegt. Es werden mehrere Ebenen übereinander abgelegt und so entsteht das Endprodukt.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=qoBU0r7pT84

Fleisch kann man drucken, indem man als Ausgangsstoffe Laborfleisch oder pflanzliche Stoffe nutzt. 

In einem 3D Modell wird die Struktur von Fleisch nachgestellt. Dieses Modell dient als Plan für den 3D-Drucker.

© NovaMeat

Bei diesem 3D Modell von Novameat, sieht man die Ausrichtungen der verschiedenen Fleischschichten.

Die Druckverfahren für den 3D-Druck von Fleisch unterscheiden sich in der Anzahl der Düsen und der Stückzahl pro Druck. 

Düsen:

  • 1 Düse: Novameat nutzt für den 3D-Druck von Fleisch eine Düse. Es wird ein Ausgangsstoff (oder eine Stoffmischung) verwendet. 
  • 3 Düsen: Redefine Meat nutzen 3 Düsen. In jeder Düse befindet sich eine andere Stoffmischung. In diesem Fall sollen die Mischungen Muskelfasern, Fettgewebe und Blut abbilden.
© Redefine Meat

Durch mehr Düsen können mehrere Materialien verwendet werden. Firmen können so besser die Zusammensetzung von Fleisch abbilden. Eine Düse hat wiederum den Vorteil, dass das Verfahren simpler ist. Der 3D-Drucker kann schneller arbeiten.

Stückzahl bei einem Druck:

  • Novameat druckt ein Steak auf einmal. Das Steak wird genauso gedruckt, wie es später auf dem Teller liegen würde.
  • Redefine Meat druckt mehrere Steaks auf einmal. Sie drucken ein längliches Stück Fleisch, von dem mehrere Steaks abgeschnitten werden. Man sieht dieses große Stück Fleisch auf dem folgenden Bild. Man erkennt gut die länglichen „Fäden“, die vom Druckkopf abgelegt wurden.
© Redefine Meat

Der Druck von einem einzelnen Steak hat den Vorteil, dass man schneller fertig ist. Die Firma SavorEat nutzt diesen Vorteil in Fast-Food-Restaurants. Auf Knopfdruck des Kunden wird ein Burger vor Ort ausgedruckt und gegrillt.

Woraus besteht Fleisch aus dem 3D Drucker?

Fleisch aus dem 3D Drucker besteht entweder aus pflanzlichen Stoffen oder aus Laborfleisch.

  • Pflanzliche Stoffe
    • Sojaprotein
    • Erbsenprotein
    • Rote Bete 
    • Kichererbsen
    • Kokosfett
  • Laborfleisch

Die pflanzlichen Stoffe findet man auch in Fleischalternativen im Supermarkt, z. B. von der Rügenwalder Mühle. 

Sie werden vermischt, um einzelne Bestandteile des Burgers abzubilden: Erbsen- und Sojaprotein für tierisches Protein, Kokosfett für tierisches Fett, Rote Bete Saft als Blut.

Das, was wir umgangssprachlich Laborfleisch nennen, kann man am besten als Zellkulturfleisch beschreiben. 

Im Englischen wird es auch „clean meat“ (sauberes Fleisch) genannt. Das soll verdeutlichen, dass unschöne Produktionsschritte, wie die Massentierhaltung wegfallen. Zusätzlich ist das Fleisch sauber von z. B. Antibiotika. 

Zellkulturfleisch entsteht, wie der Name es schon sagt, aus Zellkulturen. 

Laborfleisch Schritt für Schritt:

  1. Stammzellen auswählen & entnehmen: Stammzellen können sich teilen und verschiedenes Gewebe erzeugen. Bei der Auswahl müssen mehrere Dinge beachtet werden. 

Von welchem Tier entnimmt man Stammzellen? Je nach Tierart kann man unterschiedliches Fleisch produzieren.

Welche Stammzellen sollen entnommen werden? Stammzellen kann man z. B. in embryonale (Junge) oder adulte (Erwachsene) Stammzellen aufteilen. Junge Stammzellen können verschiedenes Gewebe ausbilden, erwachsene Stammzellen nur einen bestimmten Typ.

Wo entnehmen wir die Stammzellen? Man kann die Stammzellen mit einer Spritze vom lebenden Tier entnehmen oder z. B. von Federn. Die Firma Eat Just hat Chicken Nuggets aus Stammzellen von Hühnerfedern produziert.

  1. Stammzellen vorbereiten: Die Stammzellen werden unsterblich gemacht und mit Stoffen davon abgehalten, sich zusammenzufügen. Ungewollte Zellverbindungen können für Probleme sorgen, da die Zellen in der Mitte nicht mehr mit Nährstoffen versorgt werden.
  1. Medium auswählen: Die Zellen benötigen Nährstoffe zum Wachsen. Diese erhalten sie aus dem Nährmedium. Das Nährmedium ist der einer der Hauptfaktoren für die Kosten des Endproduktes. Das Medium wird im Wachstumsprozess mehrmals geändert. Je nach Medium bilden die Stammzellen Muskelgewebe, Fettgewebe oder anderes Gewebe.
  1. Wachstum im Bioreaktor: In einem Bioreaktor wachsen die Stammzellen im Medium. Das Wachstum wird durchgehend überwacht und ggf. das Medium angepasst.

Für den 3D-Druck wird das Zellkulturfleisch in Patronen gefüllt. Diese werden in den 3D-Drucker eingesetzt und die Masse wird aus den Patronen durch die Düsen gedrückt.

Nach dem 3D-Druck kommt oft noch eine Reifephase im Brutschrank für das Fleisch. Daher sieht das Fleisch nach dem Druck noch nicht so aus wie reguläres Fleisch.

© MeaTech

Wissenschaftler von der Osaka Universität (Japan) haben gezeigt, dass der 3D-Druck von Zellkulturfleisch viele Möglichkeiten bietet. Sie haben sog. Wagyu Rindfleisch nachgebaut. Dieses Luxusprodukt kostet normalerweise zwischen 400 € und 600 € pro Kilogramm.

Welche Vorteile hat Fleisch aus dem 3D Drucker?

Auch 3D gedrucktes Fleisch hat gewisse Vorteile von Fleischalternativen gegenüber Fleisch. Diese Vorteile haben auch andere Fleischalternativen, die jetzt schon auf dem Markt sind.  

  1. Besser für die Umwelt. Die Fleischproduktion verursacht vielfältige Umweltschäden. Tierprodukte erzeugen 14–18 % der globalen Treibhausgasemissionen. Das ist ungefähr so viel wie der gesamte Transportsektor. Auch in deutschen Untersuchungen haben Fleischalternativen kleinere ökologische Fußabdrücke, als Tierprodukte.
  1. Besser für die Tiere. 97 % der deutschen Tierprodukte stammen aus Massentierhaltung. Wir töten global circa 80 Milliarden Nutztiere pro Jahr. Das alles fällt bei Fleischalternativen weg.
  1. Besser für unsere Gesundheit. Das ist nicht immer der Fall, aber in jüngsten Untersuchungen schneiden Beyond Burger besser als herkömmliches Rindfleisch ab. Besonders Zellkulturfleisch beim 3D Druck hat den Vorteil, dass es ohne Antibiotika auskommt. Außerdem kann die Zusammensetzung des Fleisches genau gewählt werden. Dadurch hat man mehr Kontrolle über das Endprodukt.

Fleisch aus dem 3D Drucker hat zusätzlich spezielle Vorteile gegenüber anderen Fleischalternativen.

  1. Faserige Fleischstrukturen können gedruckt werden. Derzeitige Fleischalternativen sind meist unstrukturierte Hackfleischprodukte, wie Hack, Burger, Nuggets und Wurst. Durch den 3D-Druck kann die komplizierte faserige Textur von tierischen Muskeln nachgebildet werden. Der 3D-Druck ermöglicht die Produktion von Premium Fleischprodukten, wie Steak, Lammkeulen oder Lachs.
  1. Große Designfreiheit. Durch den 3D-Druck kann die Form und Zusammensetzung (Muskeln, Fett, Blut) vom Fleisch individuell angepasst werden. Wegen der großen Designfreiheit des Verfahrens gibt die Firma Redefine Meat an, jede Art von Fleisch drucken zu können. In ferner Zukunft ist es denkbar, ein Stück Fleisch individuell an Kundenwünsche anzupassen. Das Fett im Steak könnte den Schriftzug „Alles Gute zum Geburtstag, Papa!“ bilden.
  1. Weniger Lebensmittelverschwendung. Ein 3D-Drucker benutzt nur so viel Material, wie wirklich für das Endprodukt benötigt wird. Dadurch fallen Abfälle weg, die sonst in der Produktionskette anfallen würden.
  1. Lokale Fleischproduktion. 3D-Drucker werden nicht nur für Privathaushalte immer günstiger. Firmen können deutsche Lebensmitteldrucker für Schokolade bestellen. Und auch Fleisch 3D-Drucker werden direkt in Fast-Food-Restaurants eingesetzt. Fleisch kann direkt vor Ort, ohne viel Equipment produziert werden. 
  1. Bei Laborfleisch geringe Mehrkosten. Die Hauptkosten von Zellkulturfleisch entstehen durch die Kultivierung. Wenn einmal das Fleisch kultiviert wurde, ist der Aufpreis für den 3D-Druck gering. Dadurch kann beim 3D-Druck von Zellkulturfleisch mit geringen Mehrkosten ein unstrukturiertes Hackfleisch in ein Steak verwandelt werden.

Welche Firmen stellen Fleisch aus dem 3D Drucker her?

Bei Fleisch aus dem 3D Drucker ist Israel der Vorreiter. 5 Firmen auf dieser Liste sind aus Israel. Manche von Ihnen bieten ihre Produkte schon weltweit an.

Firmen, die Fleisch 3D drucken:

  • Redefine Meat (Israel): Redefine Meat ist der größte Player auf dem Fleisch 3D Druck Markt. Das Fleisch ist derzeit in über 150 Standorten in Israel und auch schon in Deutschland erhältlich. Sie erhielten Investitionen von über 180 Millionen Euro (6 Millionen von der deutschen PHW Group) für eine globale Expansion. Redefine Meat druckt ihre große Produktpalette mit pflanzlichen Inhaltsstoffen.  
© Redefine Meat
  • MeaTech (Israel): MeaTech machte Schlagzeilen mit dem bisher größten 3D gedruckten Steak aus Laborfleisch. Ihre Produkte konnten bisher nur Journalisten und Investoren kosten.  
  • Aleph Farm (Israel): Aleph Farm ist die direkte israelische Konkurrez von MeaTech. Beide Firmen arbeiten mit Laborfleisch. Aleph Farm konzentriert sich darauf ein Rib Eye Steak zu drucken.
© Aleph Farm
  • SavorEat (Israel): SavorEat druckt Burger Patties aus pflanzlichen Stoffen. Sie haben sich mit einer Fast-Food-Kette zusammengetan, um mit ihrem 3D Drucker „Robot Chef“ vor Ort Burger Patties zu drucken und zu grillen.
© SavorEat
  • Nova Meat (Spanien): Nova Meat druckt auch mit pflanzlichen Stoffen, aber anders als Redefine Meat wird mit einer Düse gedruckt. Dieser Ansatz funktioniert z. B. gut für das Schweinefleisch, welches Nova Meat druckt.
  • CellX (China): Auch CellX konzentriert sich auf Schweinefleisch, da dieses auf dem chinesischen Markt eine große Nachfrage hat. Ihr größtes Ziel ist bis 2025 den gleichen Preis, wie reguläres Schweinefleisch zu erzielen.
  • Revo Foods (Österreich): 3 Studenten haben in Wien das Start-up „Legendary Vish“ gegründet, um Lachs mit Pflanzenprotein 3D zu drucken. Sie wurden von der EU in einem Forschungsprojekt gefördert. Die Firma hat sich nun zu Revo Foods umbenannt und verkauft ihren Lachs an über 700 Standorten in Europa.
© Revo Foods
  • Plantish (Israel): Während Revo Foods Lachs in Scheiben verkauft, arbeitet das Start-up Plantish an ganzen Lachs Fillets. Diesen sehen Lachs verblüffend ähnlich, sollen aber erst 2024 auf den Markt kommen.
© Plantish
  • BlueNalu (USA): Auch in Kalifornien forscht die Firma BlueNalu an 3D gedrucktem Fisch. Dieser soll aber aus Laborfleisch bestehen. Nach Angaben des deutschen „Laborfisch“ Start-Ups Bluu Seafood hat kultiviertes Fischfleisch im Vergleich zu Rind-, Hühner- oder Schweinefleisch einen großen Vorteil: Die Zellen der Tiere sind wechselwarm und können auch in kalten Bioreaktoren wachsen. Säugetierzellen müssen dagegen durchgehend auf Körpertemperatur gehalten werden, was den Prozess deutlich energieaufwendiger macht.
  • Open Meals (Japan): Das Start-Up Open Meals druckt in Japan Fisch aus pflanzlichen Stoffen. Die Freiheiten des 3D Drucks zeigt die Firma anschaulich an ihrer 8-Bit Pixel Sushi. 
© Open Meals

Die Firmen wollen oft keine Konkurrenz zu Fleischfirmen sein, sondern mit ihnen zusammenarbeiten. 

Die Start-ups entwickeln die Technologie für den 3D-Druck von Fleisch und die Fleischkonzerne nutzen ihre Marktmacht, um die Produkte schnell zu etablieren.

Redefine Meat hat sich mit dem Fleischvertrieb Best Meister zusammengetan. MeaTech gibt an, ihre Technologie an Fleischproduzenten lizenzieren zu wollen.

Wo gibt es Fleisch aus dem 3D Drucker zu kaufen?

© Spreegold

Bisher gibt es nur selten Fleisch aus dem 3D Drucker zu kaufen. Aber das Angebot wächst. Redefine Meat Produkte kann man an über 20 Standorten deutschlandweit probieren. 3D gedruckten Lachs von Revo Foods kann man in 70 Märkten von Rewe Süd oder in ganz Österreich kaufen. Zusätzlich kann man hier den 3D gedruckten Lachs online bestellen.

Bis wir 3D gedrucktes Fleisch im Supermarkt kaufen können, müssen noch zwei Herausforderungen überwunden werden:

  1. Economy of Scale: Bei hohem Produktionsvolumen eines Produktes sinken die Kosten pro Produkt. Fleisch aus dem 3D Drucker ist ein Nischenprodukt. Die Produktionsmenge ist sehr gering und der Preis pro Produkt hoch. 

Die Start-ups können am Anfang nur genug Produkte zu produzieren, um Restaurants zu beliefern. Supermärkte bräuchten größere Liefermengen. Der Preis des Fleisches ist so hoch, dass Konsumenten nur in Restaurants bereit sind, diesen zu zahlen.

Die Marktakzeptanz wächst und das Start-up hat mehr Geld zur Verfügung (durch Verkauf und Investitionen). Dadurch sind sie in der Lage, mehr Produkte zu produzieren und die Kosten sinken. So landen die Produkte erst in Biomärkten und letztlich in regulären Supermärkten.

Dieser Prozess der Skalierung dauert meistens viele Jahre.

  1. Gesetzliche Regularien: Gesetze sind besonders für Zellkulturfleisch eine große Hürde. Das Fleisch ist ein ganz neues Lebensmittel, was erst einmal zugelassen und klassifiziert werden muss.

Neben Gesundheitsaspekten wird die Bezeichnung schwierig. Viele Fleischkonzerne kämpfen mit allen Mitteln gegen Fleischalternativen. Die EU hat den Gesetzesentwurf abgelehnt, dass Veggie-Burger nicht mehr „Burger“ heißen dürfen. Milchalternativen dürfen schon heute nicht mehr Milch heißen, wegen „Verwechslungsgefahr“. Die Leute tun mir wirklich leid, die sich Scheuermilch aus Versehen ins Müsli kippen 😉

Es gibt aber auch positive Beispiele. Singapur hat als erstes Land 3D gedrucktes Hühnerfleisch gesetzlich zugelassen.

Wann Fleisch aus dem 3D Drucker in jedem Supermarkt ankommt, weiß keiner so genau. Redefine Meat hat auf Anfrage von Veganivore nur geäußert, dass ihr Fleisch „bald“ in deutschen Supermärkten erhältlich sein wird.

Laborfleisch sehen wir vielleicht auch schon in den nächsten Jahren. Das hängt auch von den Regularien ab. In Singapur gibt es jetzt schon in Restaurants Zellkultur Chicken-Nuggets zu kaufen.

Viele Experten vermuten einen großen Wandel der Fleischindustrie in den nächsten 20 Jahren.

Statistiken zu Fleisch aus dem 3D Drucker

Würden Menschen Fleisch aus dem 3D Drucker überhaupt essen?

Eine Umfrage von Bitkom zeigt:

  • Die Akzeptanz von digital produziertem Fleisch wächst.
  • 2019 konnten sich nur 13 % vorstellen Fleisch aus dem 3D Drucker zu essen, 2021 schon 17 %. 
  • 45 % der Befragten reduzierten ihren Fleischkonsum wegen des Klimawandels.
  • Frauen sind mit 51 % eher bereit auf Fleisch zu verzichten, als Männer mit 38 %.
  • 2019 lehnten 62 % der Befragten Fleisch aus dem 3D Drucker kategorisch ab.

Diese 62 % der Befragten hätten vielleicht anders gestimmt, wenn sie einmal 3D gedrucktes Fleisch probiert hätten. 

Redefine Meat hat eine Blindverkostung in Tel-Aviv durchgeführt. Das 3D gedruckte Fleisch wurde mit einem Foodtruck verkauft. 

Das Branding sollte Fleischliebhaber ansprechen und beliebte mediterrane Fleischgerichte standen auf der Karte. Auf viel Gewürze und Beilagen wurden verzichtet, um den Fokus auf das Fleisch zu richten. 

1000 Portionen 3D gedrucktes Fleisch wurden an 600 Besucher verkauft. Nach dem Konsum erfuhren die Gäste, dass es sich um pflanzliches Fleisch handelte. Sie sollten dann ihre Meinung zu Geschmack, Konsistenz und Mundgefühl angeben.

Das Ergebnis: 90 % der Gäste konnten das Fleisch aus dem 3D Drucker kaum von regulärem Fleisch unterscheiden.

Der CEO von Redefine Meat beschreibt die Blindverkostung so: 

„Der Test hat gezeigt, dass Fleischliebhaber unser alternatives Fleisch mögen, weil es wie tierisches schmeckt und nicht nur, weil es besser für die Umwelt oder die Tiere ist.“

– Eshchar Ben-Shitrit, CEO und Mitgründer von Redefine Meat

Die Marktakzeptanz der Konsumenten ist vorhanden. Und auch Fleischproduzenten setzen immer mehr auf Fleischalternativen. 

Der größte Fleischproduzent der USA Tyson Foods hat sich von Fleischproduzent zu Protein Produzent umbenannt. Und auch der CEO von Tyson denkt: Pflanzenbasiertes Essen ist die Zukunft. 

Die Beraterfirma AT Kearney schätzt, dass bis 2040 ganze 60 % des Fleischmarktes aus Fleischalternativen bestehen wird.

Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Laborfleisch wird sogar einen größeren Anteil des Fleischmarktes als pflanzliche Alternativen haben. 

Wir können davon ausgehen, dass spätestens 2030 3D gedruckte Steaks flächendeckend in Supermärkten erhältlich ist. 

2040 wird es vielleicht normaler sein, 3D gedrucktes Fleisch, als Fleisch von einem Tier zu essen.

Ist Fleisch aus dem 3D Drucker vegan?

Fleisch aus dem 3D Drucker ist nicht unbedingt vegan. 3D gedrucktes Fleisch aus pflanzlichen Stoffen ist natürlich vegan. Aber bei Laborfleisch gibt es auch nicht vegane Fertigungsmethoden. Beim Marktstart können wir aber davon ausgehen, dass alles Fleisch aus dem 3D Drucker vegan sein wird.

Laborfleisch wächst heutzutage manchmal in einem Nährmedium aus Kälberblut. Dieses wird in der Biotechnologie öfter zur Aufzucht von Zellkulturen verwendet. 

Produzenten nutzen dieses als Übergangsmedium und forschen an neuen veganen Medien. Es gibt schon mehrere vegane Nährmedien. Die Firmen planen im Endprodukt kein Kälberserum mehr zu verwenden.

Für Laborfleisch werden manchmal Zellen von Tieren entnommen. Beinhaltet Laborfleisch dann nicht tierische Bestandteile und ist damit nicht vegan?
Nach der Definition der Vegan Society wollen Veganer Tierleid minimieren. Wenn dem Tier bei der Entnahme der Stammzellen kein Leid widerfährt, kann man das als vegan betrachten. 

Die Entnahme könnte mit einer Spritze erfolgen und damit entsteht nur wenig Tierleid. Vergleichbar wäre die Impfung eines Hundes. Sie tut dem Hund minimal weh und niemand würde das als Tierquälerei bezeichnen.

Wie die genaue Produktion von 3D gedrucktem Laborfleisch aussehen wird, kann jetzt noch niemand genau sagen. Wir können aber davon ausgehen, dass das Fleisch vegan sein wird.

Fleisch aus dem 3D Drucker ist eine sehr positive Nachricht für die vegane Bewegung. Es ist leichter, jemanden davon zu überzeugen keine Tierprodukte zu konsumieren, wenn es eine gute Alternative gibt.

3D gedrucktes Fleisch wird in Zukunft von Fleisch nicht zu unterscheiden sein und gleich viel kosten. Der CEO von MeaTech vermutet daher:

„Reguläres Fleisch wird in 10–15 Jahren genauso eine Ausnahme sein, wie Benzin- oder Dieselautos. Die nächste Generation wird reguläres Fleisch als etwas Komischen wahrnehmen, nicht Laborfleisch.“

Omri Shanin, CEO von MeaTech (frei übersetzt)

Gibt es „Fleisch aus dem 3D Drucker“-Aktien?

fleisch aus dem 3d drucker aktien

Es gibt zwei Aktien zu Fleisch aus dem 3D Drucker. MeaTech oder SavorEat Aktien werden an der Börse gehandelt. Redefine Meat, der größte Player im Fleisch 3D-Druck, ist nicht an der Börse. Die Aktie der Immobilienfirma Redefine Properties wird oft fälschlicherweise mit dem Fleisch 3D-Druck Unternehmen verwechselt. Alternativ kann man mit der Beyond Meat Aktie in die Zukunft des Fleischmarktes investieren.

Ist Fleisch aus dem 3D Drucker echtes Fleisch?

Fleisch aus dem 3D Drucker aus Zellkulturfleisch ist „echtes Fleisch“. Echte Tiermuskeln wachsen aus echten Tierzellen. Das Wachstum findet nur außerhalb vom Tier statt. 3D gedrucktes Fleisch aus pflanzlichen Inhaltsstoffen ist kein „echtes Fleisch“, aber bei Blindverkostungen konnten 90 % der Gäste keinen Unterschied merken. Fleisch aus dem 3D Drucker hat genau die Eigenschaften, die Fleisch ausmachen. Der besondere Geschmack, Geruch und die Textur. 

Kann auch menschliches Fleisch 3D gedruckt werden?

Menschliches Fleisch kann aus menschlichen Stammzellen 3D gedruckt werden. Dieses wird jedoch nicht für Kannibalismus genutzt. Es gibt eine große Reihe an Forschungsprojekten, die menschliche Zellen für medizinische Anwendungen drucken. Wissenschaftler der University of Minnesota haben eine Herzpumpe aus menschlichen Zellen 3D gedruckt
In Zukunft könnten also Organtransplantationen mittels 3D gedruckten Organen erfolgen. Das wäre ein Segen für die 9100 Menschen, die gerade in Deutschland auf ein Spenderorgan warten.

Fast jeder liebt den Geschmack von Fleisch (sogar ich als Veganer). Doch niemandem gefällt die Massentierhaltung, die dahintersteht. 

Fleisch aus dem 3D Drucker produziert das Produkt, wie wir es mögen, einfach auf eine andere Weise. Man entfernt das Tier von der Produktion. 

Das Ergebnis ist Fleisch ohne Tierleid und mit weniger Umweltschäden. Dieses Szenario könnte viel früher, als wir denken, die Realität werden. 

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Markus Maibaum
5+ Jahre Vegan, Tierrechts-Aktivist, Umwelt-Wissenschaftler, Powerlifter, Hobby-Koch

Markus hat Veganivore gegründet, um die vegane Lebensweise zu verbreiten und unsere Erde ein kleines bisschen nachhaltiger & gerechter zu machen.

In seiner Freizeit setzt er sich leidenschaftlich gerne für Tierrechte ein, hält Vorträge für Umweltvereine, hebt Gewichte und probiert neue vegane Rezepte aus.

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